Meinungsumfrage in der Konkurrenzdemokratie

Forschungsprojekt

Meinungsumfragen in der Konkurrenzdemokratie: Der Aufstieg der Umfrageforschung und seine Auswirkungen auf die Parteien und den politischen Massenmarkt 1949-1990

Das Forschungsvorhaben wird aus Mitteln des Bennigsen-Foerder-Preises für das Jahr 2000 des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW finanziert, den der Projektleiter, Dr. Benjamin Ziemann, erhalten hat. Das Projekt ist ab dem Beginn der Arbeit im Juni 2000 auf zwei Jahre befristet.

Projektbeschreibung:

Das Forschungsvorhaben zielt am Beispiel der ‚alten‘ Bundesrepublik auf die historische Beschreibung der Veränderungen, die sich in der politischen Kommunikation und im parteipolitischen Handeln der modernen Massendemokratien durch den Aufstieg der demoskopischen Wahl- und Umfrageforschung ergeben haben. Im Zentrum der Analyse stehen dabei CDU und SPD als die beiden großen Volksparteien. Seit 1949 hat die zunehmend flächendeckende und regelmäßige Erhebung von demoskopischen Umfragedaten zu Wählerpräferenzen und den verschiedensten Politikfeldern und -themen den politischen Betrieb permanent begleitet. Dies hat, so die Arbeitshypothese des Vorhabens, auf lange Sicht massiv die Bedingungen verändert, unter denen die beiden großen Parteien politische Zielvorstellungen bestimmen und formulieren, Wahlkämpfe führen und als Regierungs- oder Oppositionspartei im parlamentarischen und exekutiven Rahmen handeln. Die Methoden der Meinungsforschung fungieren ganz allgemein analog zur Marktforschung für Konsumgüter als Mittel zur Beobachtung des politischen Massenmarktes. Die Auswirkungen dieses Mittels auf den inneren Zustand des demokratischen Systems sind in der publizistischen und politikwissenschaftlichen Diskussion allerdings von Beginn an stark umstritten gewesen. In einer optimistischen Lesart sind sie ein unverzichtbares Instrument zur systematischen Selbstbeobachtung des politischen Betriebes, das bei professioneller Anwendung die Offenheit und Legitimität der Demokratie steigert. Für skeptische Beobachter trägt die Demoskopie dagegen zur Entwicklung einer kurzatmigen "Stimmungsdemokratie", zur inhaltlichen Entleerung der politischen Diskussion und zum Partizipation auf symbolische Teilhabe verkürzenden "Strukturwandel der Öffentlichkeit" bei. Das Projekt will diese widersprüchlichen Zuschreibungen durch die Untersuchung der Wirkung von demoskopischen Erhebungen auf die Arbeit von CDU und SPD empirisch überprüfen und historisch einordnen. Zu diesem Zweck wird die praktische Verwendung von Umfragen in der alltäglichen Arbeit der Bundestagsfraktionen und der Parteizentralen, der Außendarstellung und der Wahlkampfführung der beiden Parteien untersucht. Das Projekt beabsichtigt damit, an einem exemplarischen Beispiel Strukturprobleme der modernen Demokratie zu untersuchen, die sich aus dem Aufstieg der anwendungsorientierten Sozialwissenschaften im Zuge der "Verwissenschaftlichung des Sozialen" nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben.

Das Projekt wurde bearbeitet von:
Dr. Benjamin Ziemann
Dr. Anja Kruke