"Die Zukunft"

"Ein neues Deutschland : Ein neues Europa!“

Die Zukunft“, Paris, und die „Deutsch-Französische Union (1938-1940)

Eine Forschungsprojekt des Instituts für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum und der Maison des Sciences de l’homme der Université de Bourgogne, Dijon

Thematiken des am Institut für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum unter der Leitung seines Direktors Stefan Berger durchgeführten Forschungsprojekts sind die Exilzeitschrift "Die Zukunft", Paris, und die "Deutsch-Französische Union (1938-1940)". Die interdisziplinäre und transkulturelle europäische Wochenzeitung, in der herausragende antifaschistische europäische Politiker und Aktivisten, Schriftsteller wie Alfred Döblin, Joseph Roth, René Schickele und Ignazio Silone, Philosophen wie Siegfried Marck, Emmanuel Mounier und Paul-Ludwig Landsberg, Psychologen und Sozialwissenschaftler wie Manès Sperber publizierten, und alle Strömungen der Anti-Hitler-Opposition vertreten waren, wurde von Willi Münzenberg nach seinem Bruch mit der stalinisierten KPD herausgegeben.

Ziel des von der Fritz-Thyssen-Stiftung unterstützten interdisziplinären Verbundprojekts – mit Bernhard H. Bayerlein, Institut für Soziale Bewegungen (Ruhr-Universität), Anne Hartmann, Seminar für Slawistik/ Lotman-Institut für russische Kultur (Ruhr-Universität), und Dieter Nelles, Fakultät für Sozialwissenschaft (Ruhr-Universität) – ist die Erarbeitung einer problemorientierten Monographie anhand neu zugänglicher Dokumente, des Redaktionsarchivs in den Archives Nationales, Paris und zahlreicher weiterer Archivbestände, besonders in Deutschland, Frankreich, den USA und Russland.

Gruppe deutscher Internierter des Camp de Gurs mit einer Ausgabe der "Zukunft" (Quelle AN, F/7/15125)
Gruppe deutscher Internierter des Camp de Gurs mit einer Ausgabe der "Zukunft" (Quelle AN, F/7/15125)

Unter Arthur Koestler, Hans Siemsen und Werner Thormann als Chefredakteuren erschien die "Zukunft" von 1938 bis Mai 1940 in 81 großformatigen Ausgaben. Der Zeitschrift gelang es, den Großteil aller politischen und kulturellen Kräfte und der deutsch-französischen Avantgarden gegen das NS-Regime zu mobilisieren. Durch den Sturz Hitlers sollte in letzter Minute der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhindert werden. Zugleich erhob sie Anklage gegen den Pakt Stalins mit Hitler und den Parteikommunismus Moskauer Prägung. Antifaschistisch und antistalinistisch ausgerichtet, entwarf der Think Tank der "Zukunft" und ihrer Netzwerke, der "Deutsch-Französischen Union", der "Freunde der sozialistischen Einheit Deutschlands" und des "Komitees Menschen in Not" Visionen und Szenarien einer deutsch-französischen Union, eines vereinten Europa und eines ungeteilten, befreiten freiheitlich-sozialistisch Deutschlands nach Hitler. Sie unterstützte die in Frankreich verhafteten Spanienkämpfer und internationalen Brigadisten, diejenigen, denen niemand half und die zum „Abschaum der Menschheit“ wurden (Arthur Koestler). Die Mittlerfunktion der Zeitschrift ist im Kontext des deutsch-französischen und gesamteuropäischen Kulturtransfers und der antifaschistischen Exilpresse zu hinterfragen und zu analysieren, aber auch der politischen und ideologischen, transnationalen Kräfteverhältnisse im Dreieck Paris, Berlin, Moskau seit der katastrophalen Niederlage von Arbeiterbewegung und Demokratie im Jahre 1933. Die Kooperation wird schrittweise transnational erweitert. Neben französischen und finnischen Instituten sollen weitere Projektpartner in einem wissenschaftlichen Komitee zusammengeschlossen werden.

Kontakt
Dr. habil. Bernhard H. Bayerlein