Mitbestimmung und Sozialpolitik in der Geschichte des Bayer-Konzerns

Forschungsprojekt

Mitbestimmung und Sozialpolitik in der Geschichte des Bayer-Konzerns

In ihrem Kampf um gesellschaftliche Emanzipation der Arbeitnehmer haben Gewerkschaften und Betriebsräte in der Bundesrepublik – im Rückgriff auf Vorstellungen zu den industriellen Beziehungen aus der Zeit vor und während der Weimarer Republik – die Mitbestimmung in der Industrie, im Dienstleistungsbereich und in der Verwaltung stets als zentrales Instrument betrachtet. Mit Blick auf die Ausgestaltung der Wirtschaftsordnung wurde in der Mitbestimmung eine Möglichkeit zur Verwirklichung gesellschaftspolitischer Leitbilder und wirtschaftspolitischer Ziele gesehen, die auch auf die Stabilisierung des sozialen Gesamtsystems zielten. Zwar weist das »deutsche Modell« der Mitbestimmung eine starke Kontinuität im Hinblick auf ein hohes Maß an Integration der Arbeitnehmer in die gesellschaftliche Ordnung auf, sie stellt jedoch auch kein gänzlich monolithisches Gebilde ohne sektorale oder betriebsspezifische Ausdifferenzierung dar. Notwendige Voraussetzung für Gesamtdarstellungen und Synthesen zu diesem Problembereich sind insofern systematische Studien zur »sektoralen« Mitbestimmungsgeschichte.

Am Beispiel des in Leverkusen ansässigen Bayer-Konzerns bezieht sich das Forschungsprojekt dabei auf den in diesem Zusammenhang bisher wenig beachteten Bereich der chemischen Industrie. Mit derzeit rund 143.000 Beschäftigten weltweit zählt Bayer zu den wichtigsten Unternehmen in der Chemiebranche. Mit einer bis ins 19. Jahrhundert zurück reichenden Firmengeschichte und einer Produktpalette, die die Heterogenität des Industriezweigs widerspiegelt, bietet sich der Bayer-Konzern an, die Entwicklung der Mitbestimmung in der chemischen Industrie exemplarisch zu untersuchen. Bei einem zeitlichen Rahmen von den Anfängen der Firma bis in die Gegenwart stehen dabei drei Leitfragen im Mittelpunkt: 1) nach Zäsuren in der Mitbestimmungsgeschichte bei Bayer, 2) nach Kooperations- und Konfrontationsstilen in der Mitbestimmung und 3) nach Entscheidungsdeterminanten in der Mitbestimmung.

Die aus dem Projekt hervorgegangene
Publikation wurde in Zusammenarbeit von Historikern und Betriebsräten erstellt und mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung finanziert.


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Dr. Jürgen Mittag